High Potential Circle

Strategien werden in der Genossenschaftlichen FinanzGruppe sorgfältig entwickelt und abgestimmt. Doch wie gelingt ihre dezentrale Umsetzung in sehr unterschiedlichen Banken? Das Team #Konzept im High Potential Circle widmet sich genau dieser Frage – und entwickelt konkrete Instrumente für mehr Transparenz und Praxistauglichkeit.
Zentrale Konzepte sind fester Bestandteil der strategischen Arbeit in der Genossenschaftlichen FinanzGruppe. Ob neue Impulse im Firmenkundengeschäft, Weiterentwicklungen im Private Banking oder regulatorische Anforderungen – an analytischer Tiefe mangelt es nicht. Dennoch zeigt die Praxis: Zwischen Beschluss und Wirkung liegt ein Weg, der nicht überall gleich verläuft.
Die dezentrale Umsetzung zentraler Konzepte wird damit zu einer systemischen Herausforderung. Unterschiedliche Größen, Ressourcen, Marktbedingungen und strategische Prioritäten führen dazu, dass Konzepte in jedem Institut unter anderen Voraussetzungen ankommen.
Genau hier setzt das Projektteam #Konzept im High Potential Circle an. Christina Burhorst, Mariam Chaari, Raphael Etgeton, Fabian Gormann, Robin Höring, Daniel Tilsch und Marie Theres Woltering beschäftigen sich über zwölf Monate hinweg mit der Frage, wie sich Transparenz und Orientierung im System erhöhen lassen, ohne neue Komplexität zu erzeugen.
Zu Beginn stand eine breite qualitative Erhebung. Über 90 Rückmeldungen aus Banken und Verbundunternehmen machten deutlich, dass es selten an grundsätzlicher Zustimmung fehlt. Die größere Schwierigkeit liegt in der Vielzahl paralleler Initiativen, Leitfäden und strategischer Programme.
Für viele Institute ist nicht immer klar, welche Konzepte konkret priorisiert werden sollten, welche Instrumente bereits existieren und wer im Verbund an ähnlichen Themen arbeitet. Informationsfülle ersetzt keine Entscheidungsgrundlage.
Aus dieser Analyse entwickelte das Team einen Ansatz, der nicht auf zusätzliche Steuerung setzt, sondern auf bessere Sichtbarkeit. Ziel ist ein strukturierter Überblick: Welche Konzepte sind relevant? Wo stehen wir in der Umsetzung? Und wo entstehen wiederkehrende Hindernisse?
In der Projektarbeit wurde deutlich, dass Umsetzung nicht allein auf Institutsebene gedacht werden kann. Wenn sich in der Praxis zeigt, dass bestimmte Bausteine fehlen oder Leitfäden nicht anschlussfähig sind, muss diese Erfahrung zurück in die zentrale Weiterentwicklung fließen.
Die Idee dahinter ist einfach: Strategische Konzepte sollten nicht nur ausgerollt, sondern entlang realer Rückmeldungen weiterentwickelt werden. Umsetzung wird damit zu einem Prozess mit Rückkanal – nicht zu einem einmaligen Übergabepunkt.
Die Arbeit im High Potential Circle hat diesen systemischen Blick zusätzlich geschärft. Der Austausch mit Ansprechpartnern aus BVR, Atruvia und weiteren Verbundpartnern ermöglichte Einblicke in strategische Abstimmungsprozesse, die im operativen Alltag häufig unsichtbar bleiben. Gleichzeitig wurde deutlich, wie unterschiedlich die Ausgangslagen in den Instituten sind – und wie wichtig flexible Instrumente sind.
Aus der Analyse entstanden zwei konkrete Instrumente, die sich ergänzen.
1. Die Konzeptlandkarte
Die Konzeptlandkarte funktioniert wie ein Navigationssystem für Strategiearbeit.
In der Bankansicht ermöglicht sie eine Standortbestimmung:
Welche zentralen Konzepte betreffen das Institut?
Wo befindet sich die Bank im Umsetzungsprozess?
Wo bestehen Lücken oder Überschneidungen?
In einer übergeordneten Perspektive wird sichtbar:
An welchen Stellen treten wiederholt Umsetzungsprobleme auf?
Wo fehlen Bausteine?
Welche Leitfäden benötigen Nachschärfung?
Ziel ist es, Konzepte nicht lediglich zu übergeben, sondern sie auf Basis praktischer Rückmeldungen kontinuierlich weiterzuentwickeln.
2. Der Konzepte-Bot
Der Konzepte-Bot ist ein KI-gestützter Assistent zur strukturierten Relevanzprüfung. Ausgangspunkt ist eine konkrete Frage aus dem Institut, etwa: Welche Teile eines zentralen Private-Banking-Konzepts sind für uns aktuell wirklich relevant?
Die Bank kann zentrale Unterlagen – etwa ihren Geschäftsbericht – einbeziehen. Der Bot fragt nach strategischer Ausrichtung, Kundensegmenten oder Ertragsstruktur und gleicht diese Angaben mit vorhandenen Leitfäden und Selbst-Checks ab.
Das Ergebnis ist keine fertige Lösung, sondern eine Einordnung: Welche Bausteine passen zur eigenen Ausrichtung, wo besteht bereits Aktivität, wo entsteht Handlungsbedarf? Fehlen unterstützende Instrumente, wird auch das sichtbar.
Damit entsteht aus Informationsfülle eine nachvollziehbare Entscheidungsgrundlage.
Der Anspruch des Teams ist keine Standardlösung für alle rund 600 Banken. Ziel ist ein Orientierungsrahmen, der individuelle Anpassung ermöglicht und Transparenz erhöht.
Wirkung würde sich nicht an einer flächendeckenden Einführung messen lassen, sondern an konkreten Veränderungen im Alltag: wenn Institute schneller priorisieren können, wenn Rückmeldungen aus der Praxis systematisch berücksichtigt werden und wenn zentrale Strategien ihren Weg in operative Entscheidungen finden.
Damit Konzepte nicht an der Rampe stehen bleiben.
Der Genossenschaftliche High Potential Circle ist ein bundesweites Netzwerk für Potenzialträger der Genossenschaftlichen FinanzGruppe. Das zwölfmonatige Programm verbindet drei Präsenzmodule und digitale Veranstaltungen mit der intensiven Arbeit in kleinen, interdisziplinären Thementeams.
Im Mittelpunkt steht die gemeinsame Bearbeitung von Projektthemen mit hoher Relevanz für die Zukunftsfähigkeit der GFG und ihrer Banken. Die Themen können aus allen Bereichen von Banken oder Verbundunternehmen stammen.
Hauptsponsor des High Potential Circles ist der BVR-Fachrat Personal, der die Projektthemen auswählt und dem die Ergebnisse präsentiert werden. Begleitet wird die Projektarbeit durch Agile Coaches der ADG. Neben der fachlichen Arbeit stehen die Entwicklung der Soft Skills sowie der Blick über den genossenschaftlichen Tellerrand bei zentralen Zukunftsthemen im Fokus.