Digitale Währung und Bankenstrategie

Wer die Wallet hat, hat den Kunden.

Marcel Reitner Digitaler Euro

Der Digitale Euro kommt, das ist weitestgehend beschlossen. Für Genossenschaftsbanken steckt das eigentliche Risiko dabei nicht in der Regulierung, sondern in der Frage, wer künftig die Kundenschnittstelle besetzt. Marcel Reitner, Bereichsleiter Unternehmensentwicklung der VR-Bank Main-Rhön eG, hat Chancen und Risiken in seiner Projektarbeit im Rahmen des 502. GBF systematisch durchleuchtet. 

Was der digitale Euro überhaupt ist

Keine Kryptowährung, kein Spielgeld: Der Digitale Euro ist eine digitale Zentralbankwährung, ausgegeben von der EZB und über Geschäftsbanken oder regulierte Zahlungsdienstleister per E-Wallet an Kunden verteilt. Für Verbraucher funktioniert er wie digitales Bargeld. Für Banken verändert er die Spielregeln.

Marcel Reitner hat für die VR-Bank Main-Rhön eG analysiert, was diese Veränderung konkret bedeutet. Sein Befund ist präzise: Das zentrale Risiko liegt nicht unbedingt im Liquiditäts- oder Regulierungsbereich, sondern in der Ertrags- und Refinanzierungsstruktur. Und in der Frage, wer am Ende die Beziehung zum Kunden hält.

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Der Digitale Euro und die Kundenschnittstelle

Die Logik ist einfach: Wer die Wallet anbietet, besitzt den Touchpoint. Wenn Genossenschaftsbanken diese Ebene nicht besetzen, übernehmen andere – Fintechs, Plattformanbieter, alternative Zahlungsdienstleister. Damit verlieren Banken nicht nur Transaktionsdaten, sondern schrittweise die Kundenbindung selbst.

Der Bereichsleiter benennt die Risiken klar: Disintermediation des Bankensektors, mögliche Bank Runs durch die Risikofreiheit digitaler Zentralbankwährung, hohe Implementierungskosten, Fachkräftebedarf und aktuell noch geringes Vertrauen in den Digitalen Euro auf Kundenseite. Gleichzeitig stecken in der Entwicklung echte Chancen: neue Geschäftsmodelle rund um die Wallet, Kostensenkungen im Bargeldmanagement, stärkere App-Nutzung durch Integration des Digitalen Euro in bestehende Banking-Anwendungen.

Was Genossenschaftsbanken heute schon tun können

Abwarten ist keine Strategie. Marcel Reitner empfiehlt, die Wallet-Ebene bereits jetzt zu besetzen: durch den Ausbau bankeigener App- und Wallet-Lösungen, die Einbindung von Bankdienstleistungen in bestehende Wallet-Ökosysteme und die aktive Beteiligung an europäischen Plattformlösungen.

Die entscheidende Frage lautet: Sind wir in fünf Jahren noch Finanzpartner unserer Kunden oder nur noch digitaler Geldautomat? Die Antwort hängt davon ab, was Banken heute entscheiden.