Führung & Persönlichkeit

Erfolg, Klarheit, Karriere – bei Sebastian Schmitt lief lange alles nach Plan. Bis er mit 48 zum ersten Mal durch eine Prüfung fiel. Im Interview spricht der Vertriebsdirektor von Schwäbisch Hall über diesen Moment im 500. GBF, über Zweifel – und darüber, warum genau dieses Scheitern zu seinem größten Entwicklungsschritt wurde.
Sebastian Schmitt: Ich bin aus allen Wolken gefallen. An diesem 18. November ist meine Welt zusammengebrochen. Ich kannte das einfach nicht – durchfallen. Weder beim Führerschein noch beim Abi. Und auch sonst lief bei mir alles immer geradeaus: Familie, Kinder, Beruf. Es gab einfach nie größere Komplikationen
Das stimmt. Ich wollte es mir beweisen. Für mich war die Teilnahme am GBF eine echte Challenge. In unserer genossenschaftlichen FinanzGruppe ist das die höchste Stufe – und bei Schwäbisch Hall zudem etwas sehr Exklusives. Ich bin erst der Zweite, der das gemacht hat. Zwei Jahre habe ich intern dafür gekämpft.
Und ich kann sagen: Das Wissen, das dort vermittelt wird, ist enorm. Die Themenvielfalt, die Tiefe – das hat mich wirklich beeindruckt. Und schon am ersten Tag war klar: Hier herrscht eine besondere Energie. Jeder ist freiwillig da, jeder will das.
Mein erster Impuls war: Die haben mich verwechselt. Dann war ich wie eingefroren. Gefühlte drei Minuten stand ich einfach nur da. Was es so schwer gemacht hat: Um mich herum passierte das komplette Gegenteil. Freude, Erleichterung, Lachen. Meine Tasche stand noch bei den anderen. Diese vielleicht 30 Meter dorthin fühlten sich wie eine Ewigkeit an. Ich habe ernsthaft überlegt, ob mir jemand meine Tasche nach Hause schickt. Ich bin dann doch hingegangen, habe allen einen schönen Abend gewünscht – und bin gefahren. Im Auto habe ich anderthalb Stunden einfach nur geweint.
Gar nicht gut am Anfang. Ich habe zwei Wochen gebraucht, um das überhaupt zu akzeptieren. In dieser Zeit sucht man die Gründe eher im Außen: Prüfer, Umstände, alles Mögliche. Was für mich besonders schwer war: Ich bin ausgerechnet im Block Strategie durchgefallen. Dabei mache ich bei uns im Haus genau das – Strategie mit dem Vorstand. Das war für mich erstmal überhaupt nicht greifbar.
Wenn ich heute drauf schaue, sehe ich klarer: Ich bin mit zu viel Selbstvertrauen in diese letzte Prüfung gegangen. Meine Haltung war: „Ihr könnt mich alles fragen, ich mache das locker.“ Ich war nicht mehr voll konzentriert. Aber diese Ehrlichkeit kam erst später.
Durch Gespräche. Freunde haben mir gespiegelt: Du bist doch sonst derjenige, der sagt, hör auf zu jammern. Das hat gesessen. Ich habe dann angefangen, alles zu reflektieren – die Prüfung, die Vorbereitung. Und musste mir eingestehen: Ich war nicht optimal vorbereitet. Ich war übermüdet, zu selbstsicher, nicht fokussiert genug. Das war der Punkt, an dem Akzeptanz möglich wurde.
Nein.
Als ich innerlich wieder klar war. Dann kam dieser Gedanke: Ich will das jetzt packen.
Weil ich gemerkt habe, dass ich alleine aus diesem Druck nicht rauskomme. Ich wollte es von Anfang an besonders gut machen – und hatte gleichzeitig bei jeder Prüfung Zweifel, ob ich es schaffe. Ich bin schweißgebadet in die Prüfungen gegangen.
Spätestens nach der ersten Zwischenprüfung war klar: Mein Ergebnis lag bei 67 Prozent, mein Anspruch aber bei 100. Das passt nicht zusammen. Also bin ich ins Coaching gegangen.
Extrem viel. Ich habe gelernt, dieses Spannungsfeld zwischen hohem Anspruch und Zweifel zu regulieren – über Atemtechniken, aber auch über Perspektivwechsel. Der wichtigste Satz war: Es muss nicht perfekt sein. Solide reicht. Das klingt simpel, war für mich aber ein echter Gamechanger.
Total. Vorher war alles sehr eng, fast zwanghaft. Es gab nur noch diese eine Prüfung. Durch das Coaching habe ich wieder gesehen: Da ist auch noch ein Leben daneben – Familie, Alltag, andere Themen. Und plötzlich konnte ich sogar die Zeit auf dem Schloss genießen.
Früher war meine Welt sehr klar: Wenn du etwas nicht schaffst, streng dich mehr an.
Heute weiß ich: So einfach ist es nicht. Scheitern ist komplexer und oft viel wertvoller, als man denkt.
Weil es dir einen Spiegel vorhält. Ich habe Dinge über mich gelernt, die ich sonst nie gesehen hätte – zum Beispiel, wie ich mit Druck umgehe oder wie sehr ich an meinem eigenen Anspruch hänge. Ich bin reflektierter geworden. Und ehrlicher mit mir selbst. Ich suche weniger Ausreden und übernehme schneller Verantwortung.
Ja, sehr deutlich. Ich habe rund 150 Mitarbeitende. Auf unserer Jahresstarttagung habe ich darüber gesprochen, wenn man etwas nicht im ersten Anlauf schafft. Danach kamen etwa 30 Menschen auf mich zu und sagten: Du bist anders geworden.
Erstmal: Das ist okay. Und dann: Geh durch den Prozess. Am Anfang sucht man Ausreden – das gehört dazu. Aber irgendwann musst du dich fragen: Was war mein eigener Anteil? Genau da beginnt Entwicklung.
Wenn ich nach dem ersten Versuch aufgehört hätte, wäre das die eigentliche Niederlage gewesen. Das Scheitern selbst war nur der Auslöser. Entscheidend ist, was man danach daraus macht. Und heute kann ich sagen: Es ist das Beste, was mir passieren konnte.
Das GBF – das Genossenschaftliche Bank-Führungsseminar – gehört seit über 40 Jahren zu den bekanntesten Führungsprogrammen der Branche. Mehr als 8.600 Absolventinnen und Absolventen steuern heute Teams, Bereiche oder ganze Banken.
Was macht das GBF besonders?
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