Berufsintegriertes Studium

Johannes Habscheid ist 31, Verhinderungsvertreter des Vorstands der Kreissparkasse Rhein-Hunsrück sowie Alumni und Dozent der ADG Business School – und er wusste schon in der Schulzeit, wohin er wollte. Wie man so einen Weg plant, was ihn dabei fast gestoppt hätte, und warum er zuhause am liebsten auch mal keine eigene Meinung hat.
Wenn der Vorstand der Kreissparkasse Rhein-Hunsrück verhindert ist, übernimmt Johannes Habscheid. Mit 31 Jahren. Dass es so kommen würde, war für ihn keine Überraschung.
„In der Abizeitung stand schon drin: Johannes wird einmal Bankvorstand.“ Das war kein Witz, kein jugendlicher Übermut. Aufgewachsen in der Grenzregion zu Luxemburg, die Eltern Elektriker und Krankenschwester, wählte er seine Leistungskurse schon danach aus, ob sie ihn weiterbrachten: Mathe, Englisch, Französisch, auch wenn Letzteres sein schlechtestes Fach war. Das Finanzgeschäft, dachte er damals, funktioniert nun mal international.
Ich werde auf jeden Fall den Master machen. Und ich will Vorstand werden.
Johannes Habscheid, damals 23 Jahre alt, zu seinem Chef
2014 beginnt er das duale Studium bei der Volksbank Bitburg, Bachelor an der ADG Business School. Parallel übernimmt er im Rahmen der Fusion zur Volksbank Eifel den Job als Strategie-, Innovations- und Projektmanager – ein völlig neuer Bereich, den er von Grund auf mit aufbaut. Als er den Master nachschieben möchte, lehnt die Bank erst ab. Nicht notwendig für die Aufgabe, heißt es. Johannes besteht darauf und kündigt seinen Weggang an. Als auf die Stellenausschreibung jedoch keine einzige Bewerbung eingeht, kommt sein Bereichsleiter Christian Pauly auf ihn zu und fragt: Welche Rahmenbedingungen müssen wir als Bank schaffen, damit wir auch in Zukunft zusammen arbeiten können? Die Antwort ist ehrlich und direkt: Die ihm angebotene Bereichsleitung als Nachfolge sei nett, aber er möchte Vorstand werden. Christian Pauly trägt es zum Marktvorstand und gemeinsam setzen sie einen Entwicklungsplan auf: Master, Kreditgeschäft lernen, Führungserfahrung aufbauen, Schritt für Schritt in Richtung Vorstandsqualifikation. Alles kommuniziert, nichts dem Zufall überlassen.
2024 kommt der Bruch. Ein geplanter Fusionsprozess mit der Volksbank Trier und die Aussicht auf echte Kreditverantwortung schwimmt dahin. Er bewirbt sich auf eine Stelle bei der Kreissparkasse Rhein-Hunsrück, Leiter Vorstandssekretariat, mit klarer Perspektive als Verhinderungsvertreter. Er bekommt sie. Emotional kostet ihn der Abschied viel. Neun Jahre, ein Haus, ein Vorstand und Bereichsleiter als Vorbild in Sachen Führung und Nachwuchskräfteentwicklung, das hat ihn geprägt. Aber sachlich und strategisch, sagt er, war es die richtige Entscheidung.
Wer denkt, der 31-Jährige hat keine Zweifel, irrt. Er ist präzise genug, um zu wissen, wo sein blinder Fleck liegt: das klassische Kreditgeschäft aus eigener voller Verantwortung. „Würde ich mich aktuell in einer Vorstandsposition wohl fühlen? Zu 80 Prozent“, sagt er nüchtern. „Aber ich habe hohe Ansprüche an mich selbst.“ Das fehlende Kreditgeschäft aus eigener Verantwortung, das piekst ihn noch. Das klingt nicht nach Understatement, sondern nach Kalkül, nach dem Ehrgeiz eines Menschen, der sich ungern mit 80 Prozent zufriedengibt. Den Druck von außen kennt er auch. Mit 28 sitzt Johannes in einer Fusionsbesprechung, hat das Beteiligungsmanagement professionell vorbereitet, und eine Kollegin fragt, warum „das Jüngelchen“ so forsch vorangegangen sei. „Da ging innerlich viel los“, sagt er. Nicht wütend. Sachlich. Aber klar. Im seinem neuen Haus, von außen gekommen, ist das kein Thema mehr. Einfach liefern.
Neben der Sparkasse engagiert sich Johannes als Aufsichtsrat der Südeifel Strom eG, einer der größten Bürgerenergiegenossenschaften in Rheinland-Pfalz, aus echter Überzeugung. Als ein ehemaliger Kollege ihn fragte, ob er sich aufstellen lassen wolle, sagte er: warum eigentlich nicht? Bei der Generalversammlung trat er vor 150 Menschen, erklärte, dass er mit 30 Jahren Aufsichtsratsmitglied werden möchte, ließ sich vom Mitbewerber für sein „junges“ Alter noch vorführen — und bekam 85 Prozent der Stimmen. Nachhaltigkeit ist für ihn kein Pflichtprogramm, sondern ein Thema, das ihm persönlich am Herzen liegt. Hier kann er Projekte vorantreiben, forschen, seinen Horizont erweitern. Dinge, die er liebt.
Zuhause, in einem 400-Einwohner-Ort, sieht die Welt anders aus. E-Bike, Schwimmen, Mosel-Rudern, wenn er dazu kommt. Sein Mann entscheidet, was es zum Abendessen gibt. Johannes räumt die Spülmaschine aus und versorgt die Katze.
Im Job ist er ein forscher Typ: antreibend, vorwärtsgewandt, mit klarer Linie. Bei der Arbeit motiviert er Menschen, eigene Positionen zu entwickeln und mutig einzubringen. Zuhause will er das nicht. Er lässt los, weil er es braucht.
Den Anzug trägt er trotzdem. Durchaus auch mal kariert und mit farbigen Socken, häufig mit Manschettenknöpfen. Seine Wirkung soll nicht nur offenherzig und authentisch sein, sondern auch stilsicher. Schon seit der Schulzeit.
Über Johannes
Johannes Habscheid ist Verhinderungsvertreter des Vorstands der Kreissparkasse Rhein-Hunsrück, Absolvent Bachelor und Master sowie Dozent an der ADG Business School.