Wie die Volksbank in der Region ihre Zukunft sichert

„Mentoring ist kein Zufallsprodukt“

Die Volksbank in der Region hat mit dem Programm „Talent-Hafen“ ein Signal für die Entwicklung junger Talente gesetzt. Begleitet von der ADG mit Prozessbegleiterin Barbara Klingenberg, entstand ein strukturierter, persönlicher und nachhaltiger Mentoring-Ansatz. Tobias Jaugstetter, Referent Personalentwicklung, erklärt, warum das Programm ein Gewinn für die Bank und ihre Mitarbeitenden ist.

Nach der Fusion der VR Bank Tübingen und der Volksbank Herrenberg-Nagold-Rottenburg zur „Volksbank in der Region“ im Jahr 2022 war klar: Die neue Organisation braucht nicht nur eine gemeinsame Struktur, sondern auch eine klare Strategie für die Zukunft. Ein Schlüssel dazu ist die Entwicklung von Talenten. Mit dem Programm „Talent-Hafen“ setzt die Bank auf überfachliche Qualifizierung, Netzwerke und Mentoring – begleitet von der ADG und Coach Barbara Klingenberg. Wir haben mit Tobias Jaugstetter gesprochen, der das Projekt verantwortet.

Herr Jaugstetter, wie sind Sie eigentlich in der Personalentwicklung gelandet?

Vor meinem Studium habe ich eine Ausbildung als Erlebnispädagoge gemacht und war während des Studiums selbstständig – an Schulen, als Bildungstrainer, in Teamtrainings und Hochseilgärten. Der Schwerpunkt lag immer auf Erwachsenenbildung und Weiterbildung. Ich habe gemerkt: Mit Erwachsenen zu arbeiten ist langfristig angenehmer, weil es darum geht, Menschen noch besser zu machen. Deshalb bin ich in die Personalentwicklung gegangen, nicht in die Sozialpädagogik. Als Werkstudent war ich außerdem an der Uni Tübingen im Onboarding tätig. Vorher hätte ich nie gedacht, dass ich bei der Volksbank lande – aber die Vielfalt hat mich begeistert: intern wird extrem viel dafür getan, dass Leute ausgebildet werden und sich weiterentwickeln. Das ist vielen gar nicht bewusst. Ich wollte nicht in einem Konzern arbeiten, in dem man kaum mitbekommt, was mit Menschen passiert. Bei uns kann ich Personalentwicklung komplett mitgestalten. Nach der Fusion 2022 gab es viel konzeptionelle Arbeit. Das war für mich unfassbar interessant.

Was steckt hinter dem „Talent-Hafen“ der Volksbank in der Region?

Das Programm schließt eine Lücke: Es gibt jungen Talenten die Möglichkeit, sich persönlich weiterzuentwickeln. Es geht um überfachliche Themen wie Projektmanagement und Skills für Schlüsselpositionen – Führung, Projektleitung, Spezialistenrollen. Das Ende ist bewusst offen: Wir wollen gemeinsam herausfinden, wohin die Reise geht.

Wie funktioniert das Programm konkret?

Es gibt verschiedene Bausteine, die ineinandergreifen. Seminare zu Themen wie Projektmanagement, Zeitmanagement, Kommunikation und Persönlichkeitsentwicklung. Austauschformate wie Vorstandsdialoge, die für Aha-Momente sorgen, weil man plötzlich versteht, wie andere Bereiche ticken. Auch Mentoring, das von der ADG und Barbara Klingenberg begleitet wird, ist eine Säule des Programms. Selbstreflexion über Lerntagebücher, um Fortschritte sichtbar zu machen, gehören ebenfalls dazu. Und anspruchsvolle Projekte, die den Teilnehmenden echte Sichtbarkeit verschaffen.

Was war Ihnen beim Mentoring wichtig?

Dass Mentoren nicht einfach ins kalte Wasser geworfen werden. Wir haben ein einheitliches Verständnis geschaffen, was Mentoring ist, und Rollenklarheit hergestellt. Jeder Mentee hat einen Mentor – erfahrene Führungskräfte der zweiten und dritten Ebene. Wir haben bewusst Mentoren aus anderen Fachbereichen gewählt, um frischen Input zu fördern. Das Feedback ist großartig: Es ist augenöffnend, Probleme aus anderen Bereichen zu hören.

Wie hat die ADG Sie unterstützt?

Mit einem Ganztages-Workshop als Kick-off, um die Rollen zu klären und methodische Grundlagen zu legen sowie einem „Logbuch fürs Mentoring“, mit dem der Prozess gestaltet wird. Danach gab es nach ein paar Monaten zwei „Boxenstopps“ für kreativen Input und Erfahrungsaustausch.

Sie haben die Insights MDI®-Methode genutzt. Was hat Ihnen das gebracht?

Die Insights MDI®-Analyse haben wir primär mit den Talenten durchgeführt. Zufällig hatten alle Mentoren in der Vergangenheit ebenfalls schon einmal eine solche Analyse gemacht – einige sogar bei Barbara Klingenberg. Beim Matching der Tandems haben wir uns auch auf diese Ergebnisse gestützt. So konnten die Mentoren ihr Mentoring gezielt auf den jeweiligen Mentee ausrichten und Themen wie persönliche Insights, Entwicklungsfelder und Kommunikation in die Gespräche einbeziehen. Insgesamt war das Besondere, dass die Methode über die zwei Jahre des Programms hinweg immer wieder eine Rolle spielte und in verschiedenen Kontexten neue Impulse bot. Das war eine hervorragende Grundlage für die gesamte Entwicklung.

Was ist Ihr Fazit?

Wir sind fast am Ende des Projekts und haben bei fast allen erreicht, dass sie Klarheit über ihre Ziele haben. Das überfachliche Denken funktioniert, die Sichtbarkeit der Teilnehmenden in der Bank hat sich deutlich gesteigert. Für uns ist das Programm ein starkes Instrument, um Talente zu fördern und langfristig zu halten.