Porträt | Bester Absolvent 502. GBF

Wenn die Sonne durch den Nebel bricht

Falk RIchter

Falk Richter ist Vertriebsdirektor Private Banking bei der VR-Bank Rottal-Inn eG in Pfarrkirchen und hat das 502. GBF der ADG als Jahrgangsbester abgeschlossen. Ein Porträt über einen Mann, der eigene Fehler klar benennt, Vertrauen als Führungsprinzip lebt und mit 15 schon die richtige Frage gestellt hat.

Die Frage im Interview ist eigentlich ganz nüchtern: Wie gehst du mit Veränderung um? Falk schaut kurz auf den Bildschirm – auf das Teams-Hintergrundbild, das bei der ADG so viele nutzen: Schloss Montabaur im Morgennebel, die Sonne bricht gerade durch. Er kennt dieses Schloss gut. „Es gibt Tage, da findest du die Sonne schön, wenn sie so durch den Nebel scheint. Und dann gibt es Tage, an denen du einfach durch die Nebelsuppe fahren musst.“

Er sagt das über Veränderung. Über die Geschwindigkeit, in der eine Bank heute funktioniert, über Entscheidungen, die früher fünf Jahre hielten und heute vielleicht zwei. Aber das Bild trifft auch ihn selbst: jemand, der Reibung kennt, sie benennt – und weitermacht.

Fragt man ihn am Ende des Gesprächs, welches Wort ihn gerade gut beschreibt, denkt er kurz nach. Dann: „Zufrieden.“ Ruhig, ohne Koketterie. Als wäre das die genaueste Antwort, die er geben kann.

Mit 15 die richtige Frage stellen

Beim Vorstellungsgespräch für seine Ausbildung – er ist 15, die VR-Bank hat ihn als erste eingeladen, seine Eltern sind Sparkassen-Kunden – fragt Falk den Ausbilder, was man tun muss, um Vorstand zu werden. Nicht weil ihn das damals wirklich umtreibt, sondern weil der Ausbilder schon alles gesagt hat und er noch eine kluge Frage stellen wollte.

Er erzählt das mit Genuss. Und doch steckt darin etwas, das sich durch seine Laufbahn zieht. Er hat gefragt. Er ist geblieben. Seit September 2004 arbeitet der Banker aus Pfarrkirchen in derselben Bank – durch Fusionen, durch Wachstum, durch eine Veränderungsgeschwindigkeit, die er längst als Grundbedingung akzeptiert hat.

Ein Fehler, den er selbst benennt

2022 übernimmt Falk die Leitung des Bereichs Private Banking. Er bewirbt sich, bekommt die Stelle – und unterschätzt, was das bedeutet. „Ich habe mit jugendlichem Leichtsinn gedacht, Führung mache ich einfach mit. Mit Energie und Einsatz und die Kunden behalte ich einfach.“

Der eigene Qualitätsanspruch hielt nicht stand, weder den Kunden noch dem Team gegenüber. Seit Januar 2025 gibt er schrittweise ab – 40 bis 50 von einst 130 Kunden. Was aus dieser Erfahrung geblieben ist: Er führt heute aus dem Feld heraus, sieht noch, was Kunden bewegt, spürt Strömungen, bevor sie in Kennzahlen auftauchen. „Das mag ich.“

Private Banking als Vertrauensfrage

Was Falk im Private Banking einer Genossenschaftsbank antreibt, ist weniger eine Frage von Produkten oder Portfolios. Es ist diese: Glaubt der Kunde, dass man ihm wirklich alles bieten kann, was er braucht? „Wir haben alles. Aber glaubt er uns?“ Vertrauen herzustellen, das auf Beziehung beruht – das sei die eigentliche Arbeit.

Ein guter Arbeitstag hängt für ihn daran, ob seine Entscheidungen mit dem eigenen Wertecodex übereinstimmen. Wenn ein Kunde eine große Entscheidung trifft und dabei auf ihn vertraut, ist das das Feedback, das zählt. „Dann gehe ich mit einem Lächeln raus.“

GBF: Verstehen vor Auswendiglernen

Das 502. GBF war eine Familienentscheidung. Terminpläne wurden gemeinsam durchgegangen, Falks Frau übernahm den Alltag mit zwei kleinen Kindern – seit Januar ist sie selbst wieder berufstätig. „Sie hat es verdammt gut gemacht. Ich bin dafür sehr dankbar.“

Nächtelang gelernt hat der Pfarrkirchener nicht. Er nimmt Dinge auf, wenn er sie verstanden hat und überträgt sie direkt. Die Auszeichnung als Bester des 502. GBF-Durchlaufs war das Ergebnis. „Mich treibt nicht an: Sei der Beste. Mich treibt an: Gib, was du kannst.“ Aus dem Programm nimmt er mehr mit als Fachwissen – ein anderes Mindset, die Gewissheit, dass Führung weit über die eigene Rolle hinausgeht, und den unerwarteten Eindruck, den ein Offizier der Bundeswehr über Führung hinterlassen kann.

Romane in der Nacht

Wenn Falk abends die Kinder ins Bett bringt und ihnen eine Geschichte vorliest, hilft ihm das am verlässlichsten, um abzuschalten. Manchmal noch laufen, wenn der Tag besonders lang war. Oder auf der Terrasse sitzen und den Abend mit seiner Frau genießen. Er ist Nachtmensch, liest gerne Romane – fast entschuldigend erwähnt er das.

Ob er irgendwann Vorstand werden will? Er sagt, er sei bereit, mehr Verantwortung zu übernehmen, wenn er der Bank damit mehr helfen kann als heute. Seine jetzige Aufgabe schätzt er sehr – das betont er, und man glaubt es ihm.

GBF: Dein Sprungbrett für die nächste Karrierestufe

Das GBF – das Genossenschaftliche Bank-Führungsseminar – gehört seit über 40 Jahren zu den bekanntesten Führungsprogrammen der Branche. Mehr als 8.600 Absolventinnen und Absolventen steuern heute Teams, Bereiche oder ganze Banken.

Was macht das GBF besonders?

  • Jede Gruppe wird von einem Mentor begleitet – meist ein aktiver Vorstand, der Einblicke aus der Praxis gibt.
  • Lernbegleitung unterstützt dich dabei, auch unter hoher Belastung am Ball zu bleiben. Mit Trainings, Coaching und dem Austausch mit ehemaligen Teilnehmenden.
  • Das Leadership Style Assessment (LSA) hilft dir dabei, dein eigenes Handeln im Führungsalltag zu reflektieren.