Interview: Projektarbeiten an der ADG Business School

Projektarbeiten im Transferstudium sind echte Unternehmensarbeit: akademisch fundiert, praxisnah und mit konkretem Nutzen für beide Seiten. Was dahintersteckt, erklärt Dr. Jonathan Holtkamp, der das Projektcoaching an der ADG Business School leitet.
Vor allem Gespräche. Unsere Projektcoaches begleiten Studierende in einer 1:1-Betreuung: Themen entwickeln, Schwerpunkte setzen, Struktur erarbeiten. Im Kern geht es immer um dieselbe Frage: Was beobachten Studierende in ihrem Unternehmen, was bewegt sie – und wie lässt sich das wissenschaftlich durchdringen? Wir sind dabei Impulsgeber und Orientierungspunkt. Eigenverantwortung zu fordern, gehört genauso dazu wie zu fördern. Am Ende begutachten die Coaches die Arbeiten, stimmen sich mit den Professoren ab und sind auch bei der mündlichen Prüfung dabei.
An einer typischen Hochschule kommt häufig die Theorie zuerst, es werden verschiedene Themen von Professoren aufgezeigt. Bei uns ist es umgekehrt. Studierende kommen und sagen: Ich sehe in meinem Unternehmen an dieser Stelle Verbesserungspotenzial. Der Ausgangspunkt ist immer die Praxis. Die Projektarbeit kann somit zum Herzstück des Studiums werden. Wer sich über Monate intensiv mit einer echten Fragestellung auseinandersetzt, wird zum Experten in diesem Bereich. Das passiert fast automatisch. Und durch den wissenschaftlichen Anspruch entsteht etwas, was intern oft fehlt: Objektivität. Wer eine Projektarbeit ernsthaft durchzieht, muss nicht mehr sagen „Wir machen das so, weil wir das schon immer so gemacht haben.“ Er kann sagen: Ich habe das untersucht, hier sind die Belege, das ist meine fundierte Einschätzung.
In der Vision der ADG Business School heißt es: „Erleben – Erkennen – Entfalten“. Und letztlich steckt all das auch in jeder guten Projektarbeit drin.
Weil das Unternehmen dabei genauso profitiert wie der Studierende. Was zurückkommt, ist nicht nur ein akademisches Dokument, sondern eine fundierte, möglichst objektive Analyse eines Themas, welches für das Unternehmen gerade relevant ist – und das ohne die üblichen internen Filter aus Hierarchie, Gewohnheit oder politischer Rücksicht.
Manchmal ist das ein Denkanstoß, der weiterverfolgt wird. Manchmal führen Erkenntnisse aus Projektarbeiten zu konkreten Veränderungen – neue Prozesse, neue Formate, neue Perspektiven auf ein altes Problem. Klar, manchmal landet eine Arbeit auch in der Schublade, aber das passiert auch sonst bei Projekten. Aber häufig verändert sie etwas.
Was dabei gern unterschätzt wird: Wer jemandem echte Verantwortung gibt, erzeugt Bindung. Manche Führungskräfte sagen, wenn sie Mitarbeitenden ein Studium ermöglichen, gehen die danach weg. In meiner Erfahrung ist es umgekehrt. Sie gehen eher, wenn man es ihnen nicht ermöglicht.
Es gibt Trendthemen – das waren vor einigen Jahren Agilität und Digitalisierung, heute sind es z. B. KI- und ESG-Inhalte. Teilweise sind es aber auch „alte“ Themen, um die sich „jetzt endlich mal jemand kümmert“. Die Herausforderung liegt nicht im Thema selbst, sondern im Transfer: „KI in Banken“ ist kein Thema für eine Projektarbeit. Gemeinsam herauszuarbeiten, was genau untersucht werden soll und mit welchem konkreten Erkenntnisinteresse – das ist die eigentliche Arbeit.
Ich finde den Vergleich treffend. Wenn jemand sein Unternehmen strukturiert, methodisch und mit wissenschaftlichem Anspruch von innen heraus betrachtet, entsteht etwas, was externe Berater selten liefern können: eine Analyse, die das eigene Haus wirklich kennt und trotzdem nicht betriebsblind ist. Idealerweise ist das Ergebnis eine Art Vorstudie, mit der das Unternehmen weiterarbeiten kann. Kein fertiges Konzept – das wäre eine überzogene Erwartung. Aber eine belastbare Grundlage.
Das wird häufig missverstanden. Niemand muss Rohdaten offenlegen, keine Excel-Dateien, keine internen Strategiedokumente. Die Arbeit selbst ist ein akademisches Dokument. Für die Nachvollziehbarkeit der Gutachter gibt es separates Zusatzmaterial – Quellenbelege, Auszüge, Screenshots –, das geschwärzt werden kann und nicht Teil der eingereichten Arbeit ist. Dazu arbeiten wir grundsätzlich mit Geheimhaltungserklärungen, unabhängig davon, wie sensibel das Thema ist.
Wir kommen da nicht drumherum, die Unternehmen auch nicht. KI hilft bei Recherche, Strukturierung, Formulierung. Die Zeitersparnis ist real. Aber das eigentliche Spannungsfeld ist ein anderes: Man könnte fragen, ob es solche Arbeiten überhaupt noch braucht, wenn Texte so gut generiert werden können. Unsere Antwort ist: ja. Der Mehrwert liegt nicht im Produkt, sondern im Prozess. Nur weil KI sagt „Das ist deine Checkliste“, hast du das Thema noch nicht verstanden. Du musst beurteilen können, ob es fachlich stimmt. Du musst es vertreten. Deshalb gibt es bei uns immer eine mündliche Prüfung. KI darf Werkzeug sein, aber nicht Autor. Wer eine Arbeit einreicht, muss sie verstehen und verantworten. Wie sich die Arbeiten in der Zukunft verändern, ist ein dynamischer Prozess, aber die Grundhaltung ist klar.
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