Porträt | Führungskräfteprogramm TOP

„Was wirklich hängen bleibt, ist nicht die Note“

Manuel Müller

Er hat das TOP als Jahrgangsbester abgeschlossen – und findet das am wenigsten interessant. Manuel Müller, Prokurist und Bereichsleiter Private Banking bei der Volksbank pur eG, spricht lieber darüber, was ihn wirklich gefordert hat: nicht die fachlichen Themen, sondern der Blick nach innen. Ein Porträt über Führung, Haltung und die Frage, was bei ihm aus dem Programm wirklich hängen geblieben ist.

Abends kocht Manuel Müller. So gut wie immer – egal wie spät es geworden ist. Vorher hat er eine gute Stunde im Auto gesessen, von Karlsruhe zurück nach Freudenstadt, durchschnittlich vier Grad kühler, 600 Meter höher. Die Fahrt gehört ihm. „Man kann die Zeit im Auto für Reflexion nutzen“, sagt er. Was in der Garage bleibt, kommt nicht mit an den Tisch.

Man muss das ein bisschen kennen, um zu verstehen, wen man vor sich hat. Jemanden, der Grenzen zieht – nicht weil er Distanz braucht, sondern weil er Präsenz will. Und weil er weiß, dass Führung Klarheit und Verantwortung braucht.

Manuel Müller ist Prokurist und Bereichsleiter Private Banking bei der Volksbank pur eG. Er führt 80 Personen, sechs Abteilungsleiter direkt – in einem Umfeld, das hohe regulatorische, wirtschaftliche und menschliche Anforderungen miteinander verbindet. Seine Eltern betrieben ein Hotel in Baiersbronn. Er half früh mit, wo immer man jemanden gebrauchen konnte: an der Rezeption, in der Küche, im Service… Vielleicht kommt daher, was ihn bis heute auszeichnet: Er geht gerne in Gespräche. Auch in schwierige. „Ich glaube an den Mehrwert des Dialogs“, sagt er – und das klingt bei ihm nicht nach Managementsprech, sondern nach Überzeugung.

Stationen, die schärfen

Seinen Berufsweg beschreibt Manuel Müller selbst manchmal so, als hätte er Umwege gemacht. Den Wechsel in den Vorstandsstab, raus aus dem Kundengeschäft, empfand er damals als Bruch. „Ich durfte viel lernen“ – und in diesem Satz steckt mehr als Bescheidenheit. Er hat zwei Bankfusionen als Teil der Projektleitung mitverantwortet, Gesamtprojekte gesteuert, Interessen auf unterschiedlichen Ebenen zusammengeführt und Entscheidungen vorbereitet, deren Wirkung sich oft erst zeitverzögert zeigt. Heute ist er froh darum. „Alle meine Stationen haben mich als Führungskraft und Mensch geschärft.“

Was von außen wie ein konsequenter Aufstieg wirkt, hat sich von innen anders angefühlt. Als die neue, größere Bank Gestalt annahm, fragte er sich ernsthaft: Bin ich hier noch der Richtige? „Ein Bereichsleiter in so einem Haus ist was ganz anderes, wenn man aus einem kleineren Haus kommt.“ Er hat die Frage nicht weggeschoben. Er hat sie zugelassen – und hält das bis heute für richtig. „Wenn ich mich selbst nicht frage, ob ich noch lernen kann, dann ist das nicht richtig.“ Für ihn ist diese Selbstprüfung kein Zeichen von Unsicherheit, sondern von Führungsreife und Voraussetzung, um mit wachsender Verantwortung souverän umzugehen.

Der Blick nach innen

Das ADG-Führungskräfteprogramm TOP hat Manuel Müller als Jahrgangsbester abgeschlossen. Die Note ist für ihn Bestätigung seines Engagements, ohne dass sie seinen Blick auf das Wesentliche verstellt. Was ihn beschäftigt, ist etwas anderes.

„Bankfachliche Themen fallen mir leicht – aber Selbststeuerung war eine Herausforderung.“ Der konsequente Blick nach innen, ohne sich hinter der Rolle zu verstecken – das nennt er brutal wertvoll. Er hat im Programm verstanden, wie fein die Verbindung zwischen innerer Klarheit und äußerer Wirkung ist. „Es zählt nicht nur, was ich sagen will, sondern wie es gegenüber ankommt.“ Seitdem nimmt er sich noch mehr Zeit für echten Dialog.

Was ist bei ihm aus dem TOP hängen geblieben? Nicht die Bewertung. „Das Netzwerk, die Dozentinnen und Dozenten, die super Impulse reingegeben haben, die spannenden Diskussionen.“ In seiner Gruppe habe eine wahnsinnige Offenheit geherrscht. Als bei der Urkundenübergabe alle für ihn aufstanden, traf ihn das anders als erwartet. „Danach kam ein Gefühl der Dankbarkeit. Dankbar, Teil dieser Reise sein zu dürfen.“

Was Führung heute bedeutet

Manuel Müller führt seit vielen Jahren. Und sein Verständnis davon hat sich grundlegend gewandelt. „Früher habe ich Führung stark mit Fachlichkeit und Durchsetzungsstärke verbunden. Aber das ist nicht mehr ausreichend.“ Heute geht es ihm um etwas anderes: Orientierung geben. Den Rahmen setzen, in dem gute Antworten entstehen können – im Dialog, nicht im Alleingang.

Seine eigenen Fehler spricht er offen an. Weil er die Wirkung kennt. „Wenn man sich Fehlbarkeit eingesteht, treffen Mitarbeitende eher eigene Entscheidungen.“ Er sagt laut, wenn er etwas nicht weiß. Er fordert Widerspruch ein. „Ich schätze es, wenn mir jemand den Spiegel vorhält.“ Was er von Menschen braucht, die mit ihm arbeiten? Keine Perfektion. Stattdessen: „Mut, Dinge auszuprobieren. Die richtige Haltung – Dinge umzusetzen, in Wirkung zu kommen.“

Sein privates Umfeld hat ihm früh gezeigt, was es bedeutet, für Menschen da zu sein. Die professionelle Gesprächsführung, sagt er, hat er trotzdem noch nicht ausgelernt. „Da lerne ich noch heute dazu.“ Dieser Satz fällt beiläufig. Aber er passt zu jemandem, der Selbstprüfung nicht als Pflicht versteht, sondern als Haltung.

Womit wir beim Sport wären. Das Mountainbike steht bereit, das Rudergerät hat er sich kürzlich angeschafft – und bewusst ins Wohnzimmer gestellt. „Dann kann man den inneren Schweinehund besser besiegen, wenn es direkt vor einem steht“, sagt er und lacht. Ob der Plan aufgeht? Er ist ehrlich: Anspruch und Wirklichkeit liegen da weit auseinander. Immerhin: Die Schwarzwaldregion hat er vor der Haustür. Manchmal reicht auch ein Spaziergang.

Was in fünf Jahren gelten soll

Woran will er merken, dass er sich wirklich weiterentwickelt hat? Manuel Müller denkt kurz nach: „Wenn ich Verantwortung auf einem größeren Spielfeld übernehme. Für Organisationen, Menschen und nachhaltige Entscheidungen. Und wenn ich dabei gelassen, klar und wirksam bin. Wenn mir Menschen noch mehr zurückspielen, dass sie sich gesehen und gefordert fühlen. Und wenn ich mich dabei selbst gut im Blick behalten habe.“ Pause. „…und dass meine Haltung und Werte nicht situationsabhängig werden.“

Abends, wenn er nach Hause kommt, kocht er. Die Arbeit bleibt in der Garage. Und irgendwo auf der Strecke zwischen Karlsruhe und Freudenstadt, in den vier Grad Unterschied und den 600 Metern Aufstieg, hat er sich sortiert. Das macht er schon eine Weile so. Es funktioniert.